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Rudi Stephan (1887 - 1915)

Sieben Lieder nach verschiedenen Dichtern

Sonntag

Sonntagsfriede liegt heilig über der Stadt;
Ach, wie ist mein Herz seiner Wochen satt.
Quälen, Keuchen, Kampf um ein kärglich Brot,
Ach, wann machst du frei, Lebenssonntag,    Tod.
Otto Julius Bierbaum


Pappel im Strahl

Ein stilles Wiesental
von Schwalben überflogen,
die Wetter sind verzogen.
Ein frischer Sonnenstrahl
befällt mit einemmal
die feuchte Blätterfülle
der Pappel überm Bach.

Sie zittert tausendfach,
noch träumerisch verwirrt,
er küsst ihr unbeirrt
die glänzenden Glieder wach.
Sie zuckt und blitzt ihn an,
von Küssen übersprüht,
und windet sich und schimmert,
im Innersten erglüht.

Nun fluten die Küsse ohne Zahl
hinum und ohne Wahl.
Sie bietet, kaum bewusst,
die hellen Herrlichkeiten:
So heiß die Küsse gleiten,
so funkelt sie vor Lust.
Josef Schanderl


Dir

Meine Seele ist nun still geworden,
wie in einem jungen, heil'gen Hain;
unter vollen, seligen Akkorden
bricht des Tages Glanz herein.
Eine Klarheit nah und ferne;
und tritt ernst die Nacht herfür,
segnend stehn zwei helle Sterne:
Deine Augen über mir.
Hinrich Hinrichs


Ein Neues

Hoch lodern des Abendfeurs Flammen.
Auf seines Scheiterhaufens Glut
trugen wir lachend und hochgemut
all unsere Jugendwünsche zusammen.

Wir stehn und sehn wie helle sie brennen,
wir haben das Alte abgetan
und sehen ein Neues, ein Herrliches nahn;
der höchsten Schöpfung höchstes Erkennen.

Es ist als ob eines edlen Weines tiefernster Geist
unsere Sinne umfängt.
Ist kein Gedanke, der süßer sich denkt:
Mein Kind und Deines.
Karl von Berlepsch

 
Feuerwerk
Im Einschlafen


Mich rief ein Ton aus weiter Ferne,
den ich mit trunkenem Ohr vernahm,
ernst lauschend saß ich tief im Dunkel,
ich wusste nicht woher er kam.

Ich fühlte nur aus ew'gen Räumen
ward heimlich mir ein Gruß gesandt.
Ich fühlte nur, wie alles Leben
tief unter mir in Nichts verschwand.

Mich tragen große starke Flügel
erbrausend aufwärts durch Nacht,
aus sumpfgebornen dumpfen Träumen
bin ich zu hohem Glück erwacht.

Die wilden Flammen sind verlodert
und lösten sich in dünnen Rauch.
In reiner wunderdunkler Stille
vergeh ich wie ein leichter Hauch.
Bruno Goetz


Abendlied

Reglos steht der alte Baum,
alles Leid verwehet.
Jedem wünsch‘ ich seligen Traum,
der nun schlafen gehet.

Mir doch kommt der Schlummer nicht.
Mond und liebe Sterne
trösten mich mit ihrem Licht:
Hoffen in die Ferne.

Ach, von aller Lust und Pein
einmal nur entkleidet
wird das Herz geborgen sein;
nichts, was es mehr leidet.
Gustav Falke

Heimat

Und noch im alten Elternhause
und noch am Abend keine Ruh?
Sehnsüchtig hör ich dem Gebrause
der hohen Pappeln draußen zu.

Und höre sacht die Türe klinken,
Mutter tritt mit der Lampe ein;
und alle Sehnsüchte versinken,
o Mutter, in dein Licht hinein.
Richard Dehmel

--> Programm

 

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